Jüdische Gemeinde

Die jüdische Gemeinde von Schenklengsfeld

Die ersten Judenfamilien sind wohl um das Jahr 1780 in Schenklengsfeld ansässig geworden. Vierzig Jahr später waren dann 13 Familien jüdischen Glaubens im Ort mit einer Kopfzahl von 99 Personen. Einer der ersten Händler war Hermann Herz. Da er mit Eisenwaren handelte, wurde er nur "Eisenherz" genannt, ein Name, der auch auf seinen Nachfolger A&S Katz übertragen wurde. Weitere bekannte Juden waren Getreidehändler Löwenberg und die Pferdehändler Abraham und Weinberg.

Um 1840 zogen weitere Juden aus Erdmannrode, Mansbach und Rhina zu. Im Jahre 1892 wurde die Synagoge, die 100.000 Mark kostete, von Heinrich Hermann aus Heimboldshausen gebaut. Die Bauausführung mit behauenen Sandsteinen brachte für den Unternehmer keinen Gewinn.

Bis zum Jahre 1909 bestand eine jüdische Gastwirtschaft mit Zigarrenfabrik. An ihrer Stelle stand später der "Landecker Hof". 1902 baute die jüdische Gemeinde eine einklassige Schule und stellte einen jüdischen Lehrer ein. 1933 stellten die Juden mit 38 Familien auf 32 Grundstücken von insgesamt 176 Personen 108 Wahlberechtigte. Jeder 5. Einwohner Schenklengsfelds war Jude. In den ersten Jahren des Dritten Reiches haben sich insgesamt 129 Juden polizeilich abgemeldet:

1933 - 11 Personen
1934 - 13 Personen
1935 - 11 Personen
1936 - 33 Personen
1037 - 19 Personen
1938 - 31 Personen
1939 - 8 Personen
1940 - 3 Personen

Die anderen sind bei Nacht und Nebel in die Nachbarländer geflohen. Wie bekannt geworden ist, kamen der letzte jüdische Lehrer Eschwege, und erst in den letzten Kriegstagen am 18. März 1945, die beiden Familien Sally und Bernhard Löwenberg im KZ um.

Quelle: Peter Roßkopf "Das Landecker Amt im Kreis Hersfeld" 1964, Seite 188